RAMAN FEIERT NEWROZ
DAS KURDISCHE NEUJAHR am 21 März
2623 / 2011
Wann: am Montag, den 21. März 2011
Wo:
Königstr. 88
53115 Bonn
Einlass 18:30 / Beginn: 19:00 Uhr
Höhepunkt des Abends kurdische Musik mit Folklor- Tänze
Eintritt + Essen "kurdische Spezialitäten", Getränke und ein Bier sind frei.
Offizielle Einladung: PDF
Bitte das Plakat anklicken!!!
Thematsicher Hintergrund:
Newroz wird am 21. März gefeiert. ,,Newroz" heißt
wörtlich ,,der neue Tag" und hat sich aus den Wörtern ,,nu" (neu) und ,,roj"
(Tag) entwickelt.
Als
Fest der Wiedergeburt erlangte es zuerst bei den Kurden Bedeutung. Das
Newrozfest ist wahrscheinlich das älteste kurdische Fest. Es wurde erstmals 612
v.Chr. in den Kusi- und Med-Reichen gefeiert und jährt sich damit dieses Jahr
zum 2620 Mal.
Newroz
wurde und wird als Beginn eines neuen Jahres, wenn der Winter vorbei ist und der
Frühling kommt, gefeiert. Der harte kurdische Winter, ist vorüber, die Tiere
erwachen aus ihrem Winterschlaf, die Blumenwelt erblüht und die prallen
Wasserfällen, Bäche und Flüsse rauschen wieder und geben damit der
paradiesischen Landschaft Kurdistans ihr typisches Aussehen. Die Menschen fühlen
sich wie neu geboren und schöpfen neue Kraft für ihr hartes Leben.
Es
wurde bereits viel über den mythologischen, volkskundlichen und in neuerer Zeit
insbesondere über den politischen Hintergrund des Newrozfestes geschrieben.
Dadurch, dass sich mit der Zeit das Wissen des kurdischen Volkes über das
Newrozfest vergrößerte, wurde auch der Inhalt des Festes ständig
bereichert. Im Jatire 999 schrieb der berühmte Historiker Firdewsi
ein Epos, welches unter dem Namen ,,Shanamey Firdewsi" bekannt wurde. Er
berichtet dort ausführlich über das Newrozfest und die Kurden.
Auch
das Werk ,,Newrozname" von Omar Chayam schildert das
Newrozfest. Das gleiche gilt für das 1597 erschienene
Buch ,,Scherefname" von Bitlis Scherefxan über die Geschichte der Kurden und
Osmanen. Das Epos ,,Mem u Zin" von Ehmade Xani beschreibt
ebenfalls, wie Newroz von den Kurden gefeiert wird und wie die Kurden mit dem
Einzug des Frühlings zu neuem Leben erwachen.
Zum
mythologischen Hintergrund des Newrozfestes ist zu bemerken, dass die
unterschiedlichen Auslegungen über die Ursprünge von Newroz darauf
zurückzuführen sind, dass die Menschen in den verschiedenen Gegenden des Landes
das Fest um ihre jeweils eigenen Bräuche erweitern und damit bereichern, sodass
sich natürlich unterschiedliche Entwicklungen ergeben.
Die eigentliche
Geschichte des Newrozfestes in seiner noch heute gültigen Bedeutung als Symbol
der Freiheit geht zurück auf den Tag, als sich das Volk von der Unterdrückung
des grausamen Herrschers Dehok befreite. Die Legende erzählt, dass Dehok, der
sogar seinen Vater umbrachte, sich durch die Ermordung des damaligen Herrschers
Camsid an die Macht gebracht hatte. Eines Tages wuchsen ihm zwei Schlangen aus
seinen Schultern. Verzweifelt bat er Ärzte und Weisen aus dem ganzen Land um
Hilfe. Einmal wurde ihm empfohlen, er solle die Schlangen täglich mit den
Gehirnen von zwei jungen Menschen füttern, das würde sie vielleicht töten. So
gab Dehok seinen Wächtern den Befehl, täglich zwei junge Menschen umzubringen.
Hass und Abscheu regten sich unter dem Volk, doch es war wehrlos. Dank einiger
mitfühlender Wächter des Dehok, wurden jeden Monat 30 junge Menschen vor dem
grausamen Tod bewahrt, indem man den Schlangen statt zwei Menschenhirnen ein
Schafshirn und ein Menschenhirn zum Fressen gab. Hunderte mussten in die Berge
flüchten.
Kawa, der bekannte Held der
Newroz-Mythologie, brach eines Tages das Schweigen des Volkes und organisierte
den Widerstand gegen die Despotenherrschaft. Die eigentliche Heldenrolle kommt
jedoch Kawa zu, denn ihm gelang es, das Volk zum Widerstand zu bewegen und es so
zu befreien. Der Sturz des Dehok machte der Grausamkeit und dem Leid ein Ende.
Aus der Freude, diese harte Zeit überwunden zu haben und aus dem Bedürfnis
heraus, dieses große Ereignis zu feiern, wurde das Newrozfest
geboren.
Es
wird ewig als Tradition bewahrt bleiben. Wenn Newroz naht, werden in Kurdistan
große Feuer entzündet. Da Kawa, um das Eisen zu schmieden, mit dem er zum Kampf
aufrief, Feuer brauchte, wurde dieses Feuer zu einem wichtigen Symbol für
Newroz. Auch soll Kawa nach der Befreiung des Volkes auf einen hohen Berg
gestiegen sein und dort ein großes Feuer entzündet haben, um den Sieg zu
verkünden.
Die politische Bedeutung von Newroz
heute:
In
jüngster Zeit war Newroz immer wieder mit Tragödien und Niederlagen, aber auch
mit dem Sieg der Freiheit und mit Hoffnung verbunden. So bombardierte die
irakische Luftwaffe zur Newrozzeit des Jahres 1988 die kurdische Stadt Halabja
mit international verbotenen Chemiewaffen. 5.000 Zivilisten wurden dabei
getötet, weitere tausende verwundet.
1991
kam es zur Newrozzeit zu einem großen Volksaufstand in Südkurdistan
(,,lrakisch"-Kurdistan), in dessen Folge es den Kurden gelang frei zu feiern.
Ende März startete der irakische Diktator Saddam Hussein eine Großoffensive und
vertrieb ca. 4 Millionen Kurden aus ihren Städten und Dörfern in Richtung
iranische und türkische Grenze. Das Newrozfest 1992 stand unter dem Zeichen der
bevorstehenden ersten freien Wahlen in Kurdistan, die am 19. Mai abgehalten
wurden.
Doch
trotz der viel zitierten Uneinigkeit, die unter den Kurden in mancherlei
Hinsicht herrschen mag, verbindet sie doch eine Hoffnung, die ihnen niemand
wegnehmen kann: die Hoffnung, dass das kurdische Volk den Wintergut überstehen
wird und in allen Teilen Kurdistans ein freies und vor allem friedliches
Newrozfest feiern kann.
In diesem Sinne feiern auch die Kurden im Ausland Arbeitsemigranten, Studenten, Asylbewerber - das Newrozfest, denn sie wollen die Tradition bewahren und ihre Solidarität mit ihrem Volk daheim in Kurdistan zum Ausdruck bringen.



